An der "Premium" in Berlin fand im Januar ein leicht überhitztes Diskussionspanel statt, an dem der Frage nachgegangen wurde, ob Blogs die Zukunft der Modeberichterstattung seien. Dabei wurde irgendwie - wenn auch nicht klar ausgesprochen - klar, dass sie das nicht sein können oder sein werden. Weil Blogs zwar cool und frech und authentisch und direkt sind, aber bis heute für niemanden eine vernünftige Erwerbsbasis darstellen. Weil jeder Blogger, der es jetzt "schafft", schleunigst zum Print wechselt. The Sartorialist arbeitet für GQ, Vogue und die Kataloge namhafter Modehäuser. Ivan Rodic alias The Facehunter bringt ein papierenes Buch zu seinen besten Porträts heraus. Und die Schweizerin Play kolumniert furios in der Sonntagspresse. Um nur drei willkürliche Beispiele zu nennen.
Es war am Panel in Berlin irgendwie also spürbar, dass viele mit einem baldigen Platzen der "Bloggerblase" rechnen. Weil es zu viele, zu viele uninteressante oder unpointierte, uninformierte Blogs gibt. Kein Mensch hat mehr den Überblick. Wir werden also bald weniger, aber besser Blogs sehen, die dann vielleicht auch ein Einkommen versprechen. Die Szene wird sich professionalisieren müssen. Sie wird sich Fragen stellen müssen, mit denen sich die gedruckte Modejournaille schon lange befasst. Das wird nicht jeder Blogger überleben.
Über die derzeit am meisten diskutierte, aber wohl auch am stärksten überschätzten Bloggerin, Tavi alias "The Style Rookie", wurde in den letzten Wochen in vielen Blogs massiv abgelästert. Da ist also auch viel Neid in der Luft - auf eine, die es trotz dilettantischer Schreibe und Schulmädchenpoesiebücher-Ästhetik in die vordersten Ränge der internationalen Show schafft, wo doch all die anderen Blogger auch sitzen möchten.
Dann gibt es einen zweiten Aspekt, den man im Auge behalten muss: Die Instrumente, welche Blogger heute benutzen, sind sicherlich die (nahe) Zukunft der Medienbranche. Video, Live-Report, schnelle Kommentare, Social Networks, etc. Wir werden alle mit iPhone, iPad und ähnlichem arbeiten. Es wird bewegt und dreidimensional. Papier wird sich bald noch viel älter als jetzt schon anfühlen. Professionelle Medien werden also die Formate übernehmen. Dabei wird mancher Hobby-Blogger alt aussehen.
Und drittens, vielleicht in diesem Kontext nicht unwichtig: Es gibt auf Publikumsseite bereits einen Blog-Backlash.
Persoenlich.com berichtete am Freitag folgendes: "Blogging - Teenager haben keine Lust mehr". Dort war zu lesen, dass "Teenager offenbar das Interesse am Verfassen regelmässiger, längerer Onlinebeiträge verlieren und immer mehr zu kurzen, knappen Kommunikationsformen im mobilen Web wechseln." Dies belege eine Studie des amerikanischen Pew Research Center, wonach die Zahl der Zwölf- bis 17-Jährigen, die bloggen, sich seit 2006 auf 14 Prozent halbiert hat.
Allerdings zeige die Studie auch, dass es in der Altersgruppe ab 30 Jahren leichte Zuwächse von sieben (2006) auf elf Prozent (2009) gegeben hat. Die mobile Internetnutzung hat sowohl bei ganz jungen als auch etwas älteren Usern kräftig zugenommen - plus 55 Prozent bei den 18- bis 29-Jährigen und plus 27 Prozent bei den Zwölf- bis 17-Jährigen. (Quelle: persoenlich.com)