Es gibt nur einen – den einen: Giorgio Armani, Titan der Titanen, König der Mailänder Modewelt. Wenn ER zur Show in sein Teatro Armani im Südwesten der Stadt einlädt, bricht dort für ein paar Stunden der Verkehr zusammen. Nicht zuletzt deshalb beginnt die für 14 Uhr angekündigte Schau mit 50 Minuten Verspätung. Doch das Warten soll sich gelohnt haben: was Armani für Sommer 2009 über den für einmal leicht geschlängelten Laufsteg schickte, war für einmal doch recht frisch und überraschend zeitgemäss.
„Nice to wear“ hiess das Motto, und so sah die Kollektion auch aus: schöne, angenehme Dinge, die eine Frau im Sommer vermutlich gerne trägt, weil sie luftig, leicht, fliessend und unangestrengt sind. Das Bühnenbild in Form eines stilisierten Lilienkelchs öffnete sich und heraus kamen dutzende von Mädchen in sanften, weich den Körper umspielenden und hellen Stoffen. Die A-Linie wirkte lässig, die scheinbar nassen Haare gaben den Models ein frisch geduschtes Gefühl.
Für den Abend setzt Giorgio Armani auf das Funkeln von Diamanten. Die fliessenden Roben glitzerten wie Fischhäute am Körper, während sich die Models auf den drei kleinen „Posierinseln“ niederliessen, die den Laufsteg flankierten. Eine Lichtprojektion machte diese tropfenförmigen Sitzgelegenheiten selbst zu überdimensionierten Diamanten. Das war vielleicht ein bisschen kitschig, aber im Grunde nicht falsch und auf jeden Fall hundert Mal schöner, als viele der verschraubten, angestrengten Kollektionen, die Armani die letzten Saisons gezeigt hatte.
Am Abend zuvor hatten zwei Youngsters den Mailändern gezeigt, dass es neben alten Meistern auch noch anderes gibt: Tommaso Aquilano und Roberto Rimondi (vormals 6267), die neu bei Gianfranco Ferre Dienst tun, zeigten, dass sie Willens sind, aus dem Traditionshaus des verstorbenen „Architekten der Mode“ ein modernes Couture-Label zu machen. Ein vielversprechender, feinsinniger Start.

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