Mode aus Mailand: Marni

Das war gut! Man stelle sich vor, man würde Abba hören, die CD aber so derart durch den Equalizer schicken, dass es am Ende ganz abstrus anders klingt und dazu würde man Bilder von Wohnzimmern aus den siebziger Jahren anschauen, die per Photoshop unendlich stark verfremdet worden sind. Das ist Marni, und das ist eben die ganz grosse Kunst, Retro-Elemente so zu verfremden, dass sie am Ende total neu sind. Hier schon einmal ein spontaner Schuss vom Finale - und dann morgen die "richtigen" Bilder dazu.

Dekadente Mailänder Lebensart

Da bleibt die betuchte Mutti doch gerne etwas länger vor dem Schaufenster stehen: ein Kinderbuggy ganz aus weissem Nerz, das hat die Welt noch nicht gesehen. Wer es selbst sehen will: bei APRICA in der Mailänder Via Montenapoleone steht das Schmuckstück im Schaufenster.

Mode aus Mailand: Etro Sommer 2009

Das Modebusiness kann mitunter unerbittlich sein. So zeigte Etro vor einem halben Jahr nach einhelliger Meinung der Fachpresse eine so unattraktive Kollektion, dass heuer prompt ganze Reihen leer blieben, als die Show mit einstündiger Verspätung begann. Die, welche Etro mit ihrem Fernbleiben für die „Underperformance“ beim letzten Mal strafen wollten, hatten aber für einmal falsch kalkuliert, denn das, was Veronica Etro in einer kurzen, kompakten Show präsentierte, war um Längen besser als erwartet.



„The attitude is relaxed, the clothes do not constrict the body“, hiess es im Programmheft, und das traf ziemlich genau zu: der Look wirkte lässig und entspannt, die Kleider auf lockere Weise bequem. Die Show begann mit einem weit geschnittenen Hosenanzug in Pyjamastreifen und endete mit tunikaartigen Kleidern, die sanft orientalische Anklänge enthielten.






Fazit: feminin, weich, selbstverständlich und wiederum sehr easy – genau wie es im Frühjahr 2009 sein sollte.

Bilder: Style.com

Mode aus Mailand: Prada Sommer 2009

Die Erwartungen, die für diese Saison auf Prada ruhten, waren enorm. Immerhin hatte die Marke mit der letzten, jetzt im Handel erhältlichen Kollektion aus St. Galler Stickerei den „Look des Jahres“ geschaffen. Was nun? Das Ergebnis konnte fast nur enttäuschen.



Miuccia Prada hat sich ein weiteres Mal für ein Thema entschieden, dem potenziell viel Biederkeit anhaftet: Crinkle. Sie wissen schon, diese gecrashten Stoffe, die einen metallischen Glatt und extra viel Knitter haben und bevorzugt von Frauen getragen werden, die mehr als Grösse 44 haben. Prada zeigte also eine ganze Kollektion komplett aus Crinkle: Rock, Jäckchen und Top aus einem Stoff.




Die Haare der Models waren zu strengen „Bananen“ am Hinterkopf geformt, und ihr Blick war mindestens so streng, wenn nicht besorgt. Der Grund waren extrem hohe, um nicht zu sagen sadistische Absatzschuhe, auf denen man kaum mehr vernünftig gehen sollte. Ein Mädchen, das einknickte, bekam spontanen Applaus, als es diese Quäldinger auszog.



Bilder: Style.com

Mode aus Mailand: Bottega Veneta

Zum unverkennbaren Rhythmus des Intros von Grace Jones' „La vie en Rose“ betritt ein schokobraunes Lederkleid das Parkett: aus recht dickem Leder in grosszügigen, abgesteppten Linien geschnitten, nimmt es die Botschaft der neuen Saison vorweg: lose, bequem und raffiniert soll es sein.



Die Volumen von Tomas Maier sind geometrisch und architektonisch, aber weich und verspielt zugleich. Tiefe, gelegte Falten schaffen weit fallende Rückenansichten. Die Farben sind dem gewürzregal entliehen: Safran, Senf, Paprika, grüner Pfeffer oder Muskat. Die Taschen schimmern dazu mit sanft kupferfarbenen, bewegten Oberflächen.



Später kommen rustikale Streifen und Tapisseriemuster dazu, die zu weichen, gebauschten Volumen drapiert werden. Manche Drucken sehen wie grosse Wasserflecken aus, die halblangen Röcke mit den hochgeschlagenen Säumen wie umfunktionierte Abendroben.

Bilder: Style.com

Mode aus Mailand: Jil Sander

Emotion overload – als Designer Raf Simons zum Schluss seiner jüngsten Show für Jil Sander den Applaus des Publikums entgegennahm, weinte der Belgier. Warum? War er selber so ergriffen von der Klarheit, Stringenz und Konsequenz dessen, das er d gerade auf den Laufsteg geschickt hatte? Wobei Laufsteg nicht ganz das richtige Wort ist: bei Jil Sander geht man traditionsgemäss ebenerdig mit dem Publikum, und um dies auch sinnblidlich greifbar zu machen, war der Vorführsaal dieses Mal mit einer erdfarbenen Kautschukschicht übergossen worden, die stellenweise aufbrach und so ein wenig ausgetrocknetes Oedland simulierte.




Die wie immer kühl kalkulierte Mode von Raf Simons kontrastierte in ihrer linearen, strengen und reduzierten Art deutlich mit dieser Naturbühne. Doch das war grossartig und elegant, denn es verdeutlichte, mit wie wenig Effekten man bei Jil Sander arbeitet, wie präzis die Volumen drapiert und konstruiert sind.



Die Basissilhouette ist eine Art feiner Ganzkörperstrumpfhose, über die weich fallende Kleider aus Crepes oder horizontal vernähten Fransen gelegt werden. Die Hauptfarbe ist durchwegs schwarz, die Schultern sind schmal und die Knöpfe, wenn überhaupt vorhanden, versteckt verarbeitet.



Raf Simons hat seine Fransen auf alle erdenklichen Arten verwendet – es ist eben dieses Systematische und Reduzierte, das der Kollektion ihre klare Message gibt und diese Marke zu einem zwingenden Faktor in Sachen modischer Erneuerung macht.

Bilder: Style.com

Mode aus Mailand: Prada crashes

Okay okay, wir haben da einen Verdacht: Miuccia Prada macht sich mit ihren Kollektionen am liebsten über die Schweizer lustig. Vor einem Jahr die Xess-and-Baba-Persiflage mit den weiten Röcken und den feinen Streifen und Karos. Diesen Herbst der Exzess in St. Galler Spitzen. Und jetzt kommt es: nächsten Frühling heisst das Motto bei Prada "Lisbeth Egli meets Lüthi Tissus, featuring Rosmarie Amacher". Tonnenweise Crashseide. Kostüme in schimmerndem Crinkle. Biederdeluxe.



Ein Verdacht, wie gesagt. Wir gehen am Mittwoch auf jeden Fall noch im Showroom in Mailand vorbei, um das alles zu verifizieren. Und werden dann auch einige Bilder der Show vom Dienstagabend posten.

Mode aus Mailand: Burberry Prorsum Sommer 2009



Eine Burberry-Show ist meist eine vorhersehbare Sache – im positiven Sinne. Designer Christopher Bailey hat eine moderne, konsistente und in viele Richtungen interpretierbare Vision davon entwickelt, was die britische Traditionsmarke sein soll. Zudem zeigt er mit der Männerkollektion im Juni immer schon recht klar, welche Maximen später im Jahr auch für die Damenmode gelten sollen.



Diesen Herbst geht Bailey also zurück zur Natürlichkeit: „The Garden Girls“ heisst die Kolektion, die Burberry am Montagabend präsentierte, und sie besteht aus gebleichten und enig strukturierten Leichtmänteln, wunderbaren, scheinbar getragenen Basics, ausgebleichten Röcken und lose den Körper umspielenden Kleidern. Alles sieht aus, als wäre ein schwerer Gewitterregen über die Kollektion gezogen und hätte diesen ganzen Chichi und die applizierten Steinchen der zurückliegenden Saisons abgespült, die Kollektion gleichsam reingewaschen – jetzt trocknet alles mit leicht knittriger Oberfläche.



Die Patchwork-Schlapphüte sitzen lose auf dem Kopf, die Naturtöne harmonieren auf selbstverständliche Weise miteinander. Schmuck hängt wie Muschelklumpen an einer Schnur um den Hals. Die Karos sind zu grossen, bleichen Einzelstreifen abstrahiert. Anrührend, echt und easy. Eine Meisterleistung des scheuen Briten.

Und natürlich die Musik, wunderbar: Slade mit „If this world were mine“, Bryan Ferry mit „Make you feel my love“, The Pogues mit „Love you till the end“. Der perfekte Soundtrack zum neuen Erblühen der Hoffnung nach der Finanzkrise, die in Mailand - wie auch anderswo - für viel ratloses Stirnrunzeln sorgt.

Mode aus Mailand: Giorgio Armani Sommer 2009

Es gibt nur einen – den einen: Giorgio Armani, Titan der Titanen, König der Mailänder Modewelt. Wenn ER zur Show in sein Teatro Armani im Südwesten der Stadt einlädt, bricht dort für ein paar Stunden der Verkehr zusammen. Nicht zuletzt deshalb beginnt die für 14 Uhr angekündigte Schau mit 50 Minuten Verspätung. Doch das Warten soll sich gelohnt haben: was Armani für Sommer 2009 über den für einmal leicht geschlängelten Laufsteg schickte, war für einmal doch recht frisch und überraschend zeitgemäss.

Giorgio Armani Spring Summer 2009

„Nice to wear“ hiess das Motto, und so sah die Kollektion auch aus: schöne, angenehme Dinge, die eine Frau im Sommer vermutlich gerne trägt, weil sie luftig, leicht, fliessend und unangestrengt sind. Das Bühnenbild in Form eines stilisierten Lilienkelchs öffnete sich und heraus kamen dutzende von Mädchen in sanften, weich den Körper umspielenden und hellen Stoffen. Die A-Linie wirkte lässig, die scheinbar nassen Haare gaben den Models ein frisch geduschtes Gefühl.
Giorgio Armani Spring Summer 2009
Giorgio Armani Spring Summer 2009

Für den Abend setzt Giorgio Armani auf das Funkeln von Diamanten. Die fliessenden Roben glitzerten wie Fischhäute am Körper, während sich die Models auf den drei kleinen „Posierinseln“ niederliessen, die den Laufsteg flankierten. Eine Lichtprojektion machte diese tropfenförmigen Sitzgelegenheiten selbst zu überdimensionierten Diamanten. Das war vielleicht ein bisschen kitschig, aber im Grunde nicht falsch und auf jeden Fall hundert Mal schöner, als viele der verschraubten, angestrengten Kollektionen, die Armani die letzten Saisons gezeigt hatte.


Gianfranco Ferré Spring Summer 2009

Am Abend zuvor hatten zwei Youngsters den Mailändern gezeigt, dass es neben alten Meistern auch noch anderes gibt: Tommaso Aquilano und Roberto Rimondi (vormals 6267), die neu bei Gianfranco Ferre Dienst tun, zeigten, dass sie Willens sind, aus dem Traditionshaus des verstorbenen „Architekten der Mode“ ein modernes Couture-Label zu machen. Ein vielversprechender, feinsinniger Start.
Gianfranco Ferré Spring Summer 2009
(Bilder:www.style.com)

Mode in Mailand: Kickoff mit Giorgio

Um 13 Uhr gehts los, Giorgio Armani hat mir freundlicherweise seine Einladung geschickt, ich soll sogar heute abend noch zu einer Ladeneröffnung auf einen Drink kommen ...

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