Als Journalist ist man immer ein wenig nachdenklich, wenn einem die zu porträtierende Person beim ersten Treffen das "Du" anbietet. Wie kann man dann noch die nötige Distanz aufrecht erhalten? Wie soll man kritisch bleiben, wenn man sich duzt?
Manchmal aber stellt sich die Sache ganz anders dar.
Für die nächste "Z"-Ausgabe "Auto&Mobil" traf ich drei Auto-Freaks, die mit Stolz ihre Youngtimer vorführten. Zwei von ihnen boten schon im ersten Gespräch das Du an. Und ich akzeptierte es ohne zu zögern. Schliesslich musste ich nichts Kritisches schreiben über die lieben Leute und ihre schönen Karrossen. Seid gegrüsst, Youngtimer-Fans! Jugendlich wirken nicht nur die Autos, sondern auch ihre Besitzer!
Meine drei Gesprächspartner glichen sich in einigen Dingen. Dazu gehört eine bübische Freude an funktionierender Technik, das Bedürfnis, sich mit anderen über ihr Hobby auszutauschen und ein stetig vorhandener Wunsch, nicht als grenzenloser Autonarr wahrgenommen zu werden. Zwei von ihnen teilten mir ungefragt mit, dass sie sich als urbane Grüne sehen, die täglich ihr Fahrrad und kaum je ihre wunderbaren Vierräder benutzen.

Youngtimer-Fans sind in erster Linie Nostalgiker. Sie erinnern sich an ihre Kindheit und Jugend und möchten sich mittels ihrer Wagen aus den sechziger oder siebziger Jahren zurück in scheinbar bessere Zeiten versetzen. Das sagt natürlich nichts über die Realität dieser Epoche aus. Immerhin deutet es an, dass unsere Auto-Nostalgiker eine glückliche Kindheit und Jugend erlebten.
Und da ich ebenfalls in dieser Zeit und glücklich aufwuchs, kann ich ihre Gefühle bestens nachempfinden. Ich fühlte mich diesen zunächst völlig fremden Menschen nah.
Unter anderem habe ich festgestellt, dass ich nicht das einzige Kind war, dass mit Spielkameraden an der Hauptstrasse sass und mit geschlossenen Augen aufgrund des Motorgeräusches zu erraten versuchte, welches Automodell gerade vorbei fuhr.
Die armen Kinder von heute haben keine Chance mehr, dieses Spiel zu spielen. Leider klingen heute die meisten Autos ähnlich, nicht zuletzt weil in immer mehr PKWs dieselben Motoren werken. Übrigens: Auch darüber gibts im nächsten "Z" einen interessanten Artikel. (roz.)