Walter Van Beirendonck, einer der wenigen, der es schafft ein Lächeln auf die Gesichter des abgebrühten, ernsten Modepublikums zu zaubern:
Am 19. September eröffnet unter dem Titel "Dream the world awake" im Modemuseum Antwerpen (MOMU) eine grosse Retrospektive über das verspielte, aussagekräftige Werk des Antwerper Modevisionärs. In den neunziger Jahren wurde er mit aufwändig inszenierten Modespektakeln seiner fröhlichen Modemarke W.&L.T. bekannt. Er machte den Stil der Raver zum Thema, bevor die Technoszene massentauglich war. Seine Mode vereint Inspirationen aus den verschiedensten Bereichen, wie Technologie, Kunst, Popkultur und Ethnologie, in einem. Seine Kollektionen transportierten schon von je her friedvolle Botschaften für den Alltag.

Walter Van Beirendoncks jüngste Kollektion hat den Titel "Cloud Nr.9" und ist in typisch kitschigen Farben gehalten: Kurzarmjacketts und Anzüge in knalligen Pastelltönen aus einem karierten Jaquart-Gewebe, das auch für die Schuhe verwendet wird und an altmodische Vorhänge oder Tischdecken erinnert. Die Jacketts haben Nahtlinien, die an der Brust zu einem Stern zusammenlaufen .

Nach einem musikalischen Intro mit schwülstiger Spaghettti-Western-Musik (eine Referenz an Van Beirendoncks Vergangenheit, als er seine Firma Konkurs anmelden musste?) begann die Show zu romantischen Klängen. Wie zu erwarten waren die Models lustig-Bunt gestylt: das Gesicht mit Farbe bemalt, als wären sie in eine Farbwolke geraten; lange, farbige Handschuhe mit infantilen Gesichtern und geometrischen Mustern; in den Haaren der Models steckten Kämme, als ob sie mitten beim Frisieren andere Gedanken befallen haben; Taschen, im gleichen Stoff gehalten wie die Kleider und in der Form von Wolken, konnte man als ironische Geste über den von Profit getriebenen Accessoire-Wahn der Modebranche interpretieren.
Es war eine freundliche Show mit einer augenzwinkernden Mahnung: dream the world awake. Ein typischer Walter-Slogan!
Zum Finale erschienen riesige Rüschen-Monster, die in Form und Farbe an Barbapapas erinnerten. Diese gehenden "performativen Skulpturen" sind ein gemeinsames Kunstprojekt von Walter Van Beirendonck und Erwin Wurm.

Auch das ist Pariser Mode. Neben den luxuriösen und funktionalen Kollektionen, werden hier auch viele bunte, zum Teil eher untragbare Kollektionen gezeigt, die man leicht in die Avantgarde-Kiste stecken kann. Das wirkt leider allzu oft etwas bemüht und gar humorlos. Nur wenige schaffen es jedoch einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen - Walter Van Beirendonck hat es mit seinen Visionen schon immer problemlos geschafft. Seine Präsentationen will man einfach nicht verpassen.