Man darf Tim Blanks, den Modejournalisten von men.style.com, guten Gewissens als eine der am besten informierten Figuren in der Welt der Männermode bezeichnen. Wenn Blanks also in einem Nebensatz heute morgen schreibt, "now that Martin (Margiela) himself has stepped back", dann darf man wohl endlich Gewissheit darüber haben, dass der Mann, der in der Mode der letzten 25 Jahre das wohl grösste Rätsel blieb, mit dem Tagesgeschäft der von ihm gegründeten und inzwischen an Renzo Rossos Diesel-Gruppe verkauften Marke nichts mehr zu tun hat.

Das ist eine befreiende und gleichzeitig ernüchternde Tatsache, denn Martin Margielas Kollektionen sahen in jüngster Zeit immer mehr so aus, als fehle der "magic touch" des Meisters. Ausserdem wurden die Sachen immer teurer, obwohl ihre inhaltliche Qualität stagnierte oder abnahm. Tim Blanks schreibt in seinem Bericht zu Margielas jüngster Männerkollektion weiter: "it’s a relief to stop pussyfooting around the issue of how much the house he built has reflected his own intentions of late." Anders gesagt: er hat die letzten Saisons schon nicht mehr viel bewegt, aber nun ist Schluss. Und damit ist nun Ruhe in dieser Sache.



Die Frage bleibt jedoch: Wer war Martin Margiela? Wie sieht der Mann aus, der sich ein Viertelahrhundert vor der Modepresse versteckt hielt und doch so viel Stilprägendes in die Welt setzte? Insider beschreiben ihn als eher unmodischen, hageren und etwas ernsthaften Mann mit Bart. Also etwa so, wie er auch seine Models immer gerne sah. Untenstehend ein (hilfloser) Versuch, dem Phantom näher zu kommen.