Eure „Frau in New York“ ist selbstverständlich über Obamas Wahlsieg hocherfreut und hofft, dass wir die nächsten vier (oder noch besser acht!) Jahre viel Zeit damit verbringen dürfen, Michelle Obamas Garderobe und Styling zu analysieren. Zum Glück werden wir die ätzende Palin, die mich stets an eine Zahnpastawerbung erinnert, nicht mehr so oft sehen. (Die unterkühlte Cindy McCain hätte ich fast vergessen. Ihren Kleidungsstil möchte ich auch lieber nicht weiter studieren müssen, er gehört ins Kapitel „Geld macht nicht stilvoll“.) Und nichts gegen Oscar de la Renta, aber seine Hosenanzüge, aus denen sich ironischerweise sowohl Hillary Clintons wie Laura Bushs Alltagsuniform zusammensetzt, haben wir jetzt auch oft genug gesehen, in sämtlichen Farben und Varianten.

Michelle Obama repräsentiert nicht nur eine jüngere Generation, sondern auch afroamerikanische Lebensart. Es gibt in Amerika viele Kleidermarken (und andere Produkte), die vornehmlich auf Afroamerikanerinnen zugeschnitten sind. Dies, weil sie mehrheitlich eine etwas andere Figur haben als die durchschnittliche weisse Amerikanerin, aber auch, weil sie andere Gewohnheiten pflegen. So erschien Michelle Obama beispielsweise in der Talk Show „The View“ in einem billigen Kleid der Designerin Donna Ricco, einer Warenhauslinie, die Kleider für ca. 150 Dollar produziert, die bei afroamerikanischen Frauen beliebt sind. Vielleicht wird man durch Michelle noch vermehrt Einblick in die afroamerikanische Vorlieben gewinnen.

Meine Hoffnung, in den nächsten Jahren viel Zeit mit Betrachtungen von Michelles Garderobe verschwenden zu können, bedeutet jedoch vor allem auch die Hoffnung, dass Obama die Möglichkeit haben wird, seine geschilderten Pläne wenigstens teilweise zu verwirklichen und tatsächlich etwas zu verändern. Es ist zu befürchten, dass die Republikaner von der ersten Sekunde an in die Opposition gehen und Strategien entwickeln werden, ihm möglichst viele Knebel zwischen die Füsse zu werfen. Man erinnere sich an Bill Clinton, der viel zuviele Kompromisse eingehen musste und dennoch mit einem albernen Sex-Skandal praktisch lahmgelegt wurde.

Ganz persönlich bin ich glücklich, nun doch nicht gleich meine Koffer packen und zurück-emigrieren zu müssen. Das wäre etwas schwierig, weil ich es mir mittlerweile in New York gut eingerichtet habe und zudem einen Ami geehlicht habe, für den es auf die Dauer vermutlich schwieriger wäre in Europa zu leben als für mich hier in New York. Aber wenn diese Clowns, die die Republikaner als ihre Kandidaten in den Wahlkampf geschickt haben, gewonnen hätten, hätten wir es uns ernsthaft überlegen müssen. Obamas Wahlsieg bedeutet somit erst mal neue Hoffnung und hoffentlich bald noch viel, viel mehr!